• Christoph Hahn

Weihnachten im Weinglas


Weihnachten 2020 ist jetzt sowas von gewesen, und darum besteht genügend Anlass, Rückschau zu halten auf alle die Weine und Sekte, die während der Feiertage die Kehle heruntergelaufen sind. Wobei: Aus dem Bereich der Prickler und Schäumer gabr es nur ein Getränk, nämlich einen weißen Secco (5,90 Euro) von Lukas Bollig (www.bollig-weingut.de) aus Wintrich an der Mosel, einen ziemlich erfrischenden Tropfen mit leichter Restsüße und ebenso dezentem Muskataroma (vom Müller-Thurgau?), Easy Drinking in Reinkultur und das ziemlich angenehm.


Fordernder sind da natürlich die Rotweine. Dass sie mir bei aller Liebe zum Riesling etwas bedeuten, sieht der geneigte Leser schon daran, dass ich trotz alle Wertschäetzung für Stodden, Burggarten und andere führende Vertreter der Ahr in nächster Zeit einen thematischen Schwerpunkt bei Spätburgundern von Mosel, Ruwer und Saar setzen will. Um da mal in die Puschen zu kommen, hatte ich mir zwei Rote aus dem Keller geholt - einen 2019er (10,50 Euro) vom Josephsberg aus der "Terra Lapidis"-Edition des Leiweners Heinz Schneider (www.weingut-schneider.de), weil ich diesen Winzer seit einigen Jahren schon als Könner auf diesem Gebiet kenne und schätze, und, quasi als Gegengewicht den Wein eines jungen Winzers, den 2017er Pinot Noir vom Wintricher Ohligsberg (19,90 Euro) aus der Reihe der "Max Kilburg"-Reihe des gleichnamigen Winzers (www.geierslay.de).


Bei beiden Weinen bzw. ihrer Stilistik hielt der Inhalt der Flasche, was der Name verspricht. Mit einer eher dezenten Holznote und einer saftigen dunklen Frucht (Sauerkirsche, Waldbeere) erwies sich Schneiders Tropfen als sehr typischer Spätburgunder, während Kilburgs Pinot schon sehr viel eher an französischen Vorbildern ausgerichtet ist - nicht nur vom Namen her, sondern auch vom strafferen Erscheinungsbild her, mit deutlich mehr Tanninen, Holz, Schokolade, Leder und Tabak. Das ist nicht unbedingt ein Gaumenschmeichler und nur sehr bedingt ein gefälliger Roter (was ich im Übrigen Heinz Schneider nie und nimmer unterstellen will), sondern ein Charakterkopf, reich an Ecken und Kanten.


Die wachsen auch und besonders am Ockfener Bockstein, der nicht nur zu den Paradelagen der Saar, sondern aller deutscher Anbaeugebiete gehört. Mit dem Riesling Kabinett (15 Euro) aus Günther Jauchs Weingut von Othegraven (www.von-othegraven.de) und der Spätlese (26,81 Euro) von Nik Weis (www.nikweis.com), beide ihres Zeichens 2019er, habe ich zwei Mal die saftige Synthese von salziger Schiefer-Mineralik und saftiger Steinobst-

Frucht (vor allem Pfirsich) erlebt, die sich im Falle des mit sicherer Hand von Jauchs Kellermeister Andreas Barth ausgebauten Kabis durch eine deutliche Zitrusnote (Limette) rundet. Zwei fulminante Weine, die für ihren Preis großes Gaumentheater liefern. Denn von den Weinen, die für ein Taschengeld in jedem Supermarkt zu haben sind, kann kein Mensch ein Feuerwerk der Aromen erwarten.


Sekt gab es auch - aber vom "Blanc des Blancs" der Gebrüder Braunewell habe ich einfach noch nicht genug getrunken, um mir da ein Urteil gebildet haben zu können. Kommt also noch.




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