• Christoph Hahn

Moderne im Bocksbeutel


Irgendwie spielt mir die Tageszeit in die Hände, denn draußen ist es früher Morgen und die Vögel singen lauthals den hellen Tag herbei. Mit den Ortsweinen aus dem Iphöfer VDP-Gut Hans Wirsching verhält es sich kaum anders: Sie sind die Sendboten des neuen Jahrgangs und marschieren den Lagenweine aus Franken um Wochen voraus. Gutschefin Andrea Wirsching war so freundlich, mich mit Bocksbeuteln zu versorgen - mit der Scheurebe und dem Müller-Thurgau.


Mit der Scheurebe verbindet sowohl die Wirschings als auch mich eine Geschichte, denn Vater Hans Wirsching hat ab den frühen 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts ihr den Weg bereitet und ich liebe solche Sorten mit ausgeprägtem Bukett, auch und gerade den Muskateller, um den es hier aber nicht geht. Als Erstes habe ich mir jedenfalls die 2020er Iphöfer Scheurebe (9,80 Euro ab Weingut) gegriffen - ein herrlich straff gewirkter Wein, kein bisschen süß und doch voller Frucht, vor allem Cassis, sehr konzentriert in der Aromatik, dabei auch noch sehr, sehr saftig. Wer's frisch und knackig mag, trinkt Wirschings Scheu - und wird erst mal von keinem Durst mehr gequält.


Der Müller-Thurgau kostet mit 7,80 Euro dem gegenüber zwei Euro weniger, verkauft sich aber auch nicht zu billig. Erwartungsgemäß präsentiert dieser Wein eine sortentypische Muskatnote, kann aber auch mit frischen Kräuteraromen wie Minze und Zitronenmelisse punkten. Ein filigraner, geschmacklich recht schlanker Müller-Thurga, ganz anders als die breiten Tropfen aus unseligen Massenträger-Zeiten.


Die Winzerin im Internet: www.wirsching.de



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