• Christoph Hahn

Sortenreiner Traubensaft: null Alkohol, voller Geschmack

Aktualisiert: März 9


Nie hätte ich gedacht, dass es soweit kommt. Denn hier geht es normalerweise um mehr oder minder gepflegten Alkohol. Und der nächste Stoff enthält eindeutig 0,0 Volumenprozent. Aber er kommt von einer der brangezoekanntesten Winzerfamilien der Südsteiermark und wird aus Trauben gemacht. Darum gehört dieses Getränk trotzdem hierher. Es geht um sorten- und jahrgangsreinen Traubensaft vom Muskateller. Unter dem Namen "Gross & Gross" wird er von beriden Zweigen der Weinbau-Dynasteie verantwortet. Vor einigen Jahren haben sie die Rebflächen in Österreich und Slowenien unter sich aufgeteilt. Daraus ist im ehemals jugoslawischen Teil ein aufregender neuer Betrieb entstanden, über den ich hier schon berichtet habe. Aber der enorme Reichtum der Weinkultur südlich der Landeshauptstadt Graz reicht für mehr - zum Beispiel für das Projekt "Flein", bei dem die Familie Gross zusammen mit Partnern vom Bodensee und aus Südtirol sortenreine Traubensäfte - einen Muskateller und einen Sauvignon Blanc - sowie einen Secco auf den Markt bringt.

Dabei wollen Steirer, Slowenen und ihre Freunde höchsten Qualitätsmaßstäben genügen. So werden hier nicht, wie anderenorts noch immer üblich, einfach Flachlagen minderer Güte oder Massenträger-Rebsorten zur Produktion herangezogen - es geht um hochwertiges Lesematerial klsssischer Provenienz. Mehr noch: Was zu "Flein" werden soll, wächst in Weingärten heran, die das Traubenmaterial nur für die Saftpresse liefert - und nichts sonst. Handlese ist Standard - ganz wie bei einem Weingut mit hohem Qualitätsstandard. Sind die Trauben erst mal Saft geworden, wird der Stoff schonend pasteurisiert - damit möglichst der Geschmack möglichst nahe dem der unversehrten Traube am Rebstock bleibt. Das alles geschieht seit 2018 mit jedem Jahrgang aufs Neue, ganz so wie beim Wein.


Natürlich wollte ich mal die Probe aufs Exempel machen und werde darum die zwei Säfte und den Secco von Gross & Gross hier vorstellen, beginnend mit dem Saft vom Muskateller. Davon gibt es viele flüssige Leckereien, den fein perligen Sekt von Geil-Bierschenk aus Rheinhessen beispielsweise oder die Spätlese von Arne Bercher in Burkheim am Kaiserstuhl.

Der erste Schluck aus dem Glas spült nmir zweierlei Erkenntnisse auf die Zunge: Erstens hat dieses Getränk so gar nichts von der Süße der meisten handelsüblichen Traubensäfte und zweitents müsste es dieses köstliche Zeug nicht nur als hochwertiger Erfrischungsdrink zum Aufpeppen der Lebensgeister, sondern auch als Speisenbegleiter - denn der Stoff ohne Alkohol hat so viel Individualität wie ein Wein mit allem Zipp und Zapp. Erstens ist da eine merkliche Säure, die den Trinkfluss ankurbelt und die Sinne zwickt. Im Vergleich zu den meisten Stillweinen (mal abgesehen von den steirischen) ist der Flein-Saft wn dirklich nicht sehr süß. Statt dessen durchzieht den Flein eine dezente Kräuternote, Minze und Zitronenmelisse. Ein bisschen Steinobst, vor allem Mirabelle, ist auch mit iem Spiel. Mag demi Saft auch der Alkohol fehlen - vom rebsortentypischen Geschmack ist noch alles da. und zwar 100 Prozent. Klarer Fall für Sommelière und Sommelier.


Der Saft vom Sauvignon Blanc von Gross & Gross (es gibt auch eine Variante aus der Kellerei Kurtatsch) zeigt mir unumwunden seine grasige und gemüsige (Paprika) Seite, wenn ich im hohen und weiten Pinotglas genügend Luft ziehen lasse. Er zeigt er mir aber nicht nur die Aromen, die ich vom ausgegorenen Wein her kenne. In der alkoholfreien Variante schmecke ich zudem leicht herben Waldhonig und eine sehr weiche Säure, die den Trinkfluss merklich anregt.


Preis ab Weingut: 12 Euro. Gilt für alle Säfte und auch den Secco ohne.

Im Internet www.flein.at, www.gross.at



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