• Christoph Hahn

Schule der Langsamkeit


Schnell muss heute fast alles gehen. Den Weinen lassen wir keine Zeit zum Reifen in der kühlen Dunkelheit des Kellers. Haben wir sie einmal ans Licht geholt, dürfen sie nicht lange genug im Decanter oder im offenen Glas durchatmen. Das gilt nicht nur für Rot- und andere Weine, sondern auch für hochwertige Sekte und artverwandte Getränke - Edelstoff wie den Riesling Extra Brut von Vincent Eymann aus der Pfalz und den 2017er Spätburgunder Réserve aus der Wasserburger Weinhalde vom Gut "Schmidt am Bodensee" an dessren bayerischem Ufer.


Luft gibt beiden Getränken Weichheit und Weite. Wer Sekt einfach beiläufig heruntergurgelt, der versündigt sich nicht nur an den Gaben der Natur und den Mühe derer, unter deren Händen aus den Trauben des Grundweins schließlich ein rassiger Schäumer geworden ist. Er schädigt sich einfach selbst, denn die Zeit und mit ihr die Luft schließen die Aromen erst so richtig auf. Das ist mir schon beim Sekt aus der Pfalz aufgegangen, denn natürlich

zeichnet sich ein Extra Brut (16,90 Euro ab Weingut) durch eine knackige Säure auf. Das bleibt auch nach einer Atempause so und wird doch völlig anders: Feine Zitrusaromen umspielen die Säure; grüner Apfel, etwas Brioche und andere Geschmacksnoten treten hinzu. Das Mousseux bleibt markant und sorgt nicht nur für einen ansprechenden visuellen Effekt, sondern kitzelt auch die geschmackssensiblen Zone im Mundraum richtig wach.


Sebastian Schmidts Spätburgunder ist gleichfalls einer von der Art, die einige Zeit zum Wachwerden braucht. Was anfangs noch spitz und verschlossen wird, beginnt sich nach etwas mehr als 30 Minuten immer mehr zu runden. Der Holzton wirkt dann etwas wenigeer bohrend. Hinzu kommen sehr sinnliche Fruchtaromen: eigentlich recht wenig Kirsche, dafür mehr Speckpflaume, dunkle Beeren, Vanille, Bitterschokolade, das volle Paket. Und für die obligaten Röstaromen wird auch garantiert.


In puncto Foodpairing kann dieser Pinot (32 Euro ab Weingut) ausgesprochen viel. Zum gebratenen Reh oder Wildschwein kann ich ihn mir vorstellen, aber auch zu sommerlichem Grillgut (Fleisch eher als Gemüse oder anderer veganer Stoff), gebackenem Camembert und - eher noch - zu Munster und anderem Rotschmierenkäse.


Die Winzer im Internet:

www.schmidt-am-bodensee.de

www.weingut-eymann.de




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