• Christoph Hahn

Riesling mit Mehrwert und Nachhall

Es klingt jetzt reichlich abgeschmackt - aber aus Jan-Philipp Bleekes (Foto: Hubert Hecker)

2019er Riesling Kabinett aus dem Piesporter Treppchen steigt mir der Duft von Freiheit und Abenteuer in die Nase. Das hat nichts mit windigen Reklame-Versprechen über die bewusstseinserweiterde Wirkung von Filterzigaretten (eh alles gelogen; das Zeug macht Krebs und sonst nix) oder sonstigen faulen Sprüchen,er sondern mit der Biographie des Winzers zu tun. Denn erst wuchs er fern jeder Rebe in der Stadt, die es eigentlich nicht gibt, nämlich in Bielefeld, auf und sollte eigentliche als Automobilkaufmann chromglänzende Karrossen an zahlungskräftige Kunden verhökern. Doch dann rief die Mosel und, nachdem er in den Weingütern Dr. H. Thanisch/Erben Müller-Burggraef und Staffelter Hof gründlich gelernt hatte, wurde der gebürtige Ostwestfale zum Pionier der Solidarischen Landwirtschaft (mehr siehe www.solidarische-landwirtschaft.org). Denn Bleeke denkt und handelt abseits des Konventionellen, und sein Wein soll nicht nur Genießer und Winzer erfreuen, sondern auch als Teil von umfassenden ökologischen und wirtschaftlichen Kreisläufen betrachtet wrden. Doch Bleekes wesentliche Antriebsfedern sind und bleiben Lust und Leidenschaft.


Das klingt jetzt sehr komplex, doch der Kabi aus dem Treppchen wirkt auf mich alles andere als kompliziert. Was mir an diesem Stoff, der mit 9,5 Volumpenprozent Alkohol bei 9 Gramm auf dem Liter Säure und 19 Gramm Restzucker nicht gerade eine zentnerschwere Wuchtbrumme abgibt, besonders auffällt, ist seine kräuterige Würzigkeit. Die mutet wie die anderen aromatischen Akzente nicht für einen Moment breit oder aufdringlich an. Aber gerade dieser ebenso stetige wie leise Ton öffnet die Sinne - für die Säure, die dem Wein Frische verleiht und dem Trinken Fluss und Zug gibt.


Das prägende Element bleibt jedoch die eher feine denn herbe Würze. Damit fügt sich dieser Kabinett ein in das ein, was eine Reihe von jüngeren Moselwinzern wie Florian Blesius und Alex Loersch als moderne Tradition definiert haben. Auf eine stark ausgeprägte, belegende Süße wird verzichtet. Das Mineralische - mag es sich nun salzig oder kräuterig äußern - tritt nach vorne, weckt die Geschmacksorgane - und das Vergnügen am nächsten Schluck.


Preis ab Weingut: 12 Euro.

Der Winzer im Internet: www-jpb-winemaking.com



114 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen