• Christoph Hahn

Noch lange nicht auf seinem Zenit


Manches Mal sind wagemutige Vergleiche gar nicht so weit hergeholt: Während ich über Nik Weis' 2017er Großes Gewächs aus dem Ockfener Bockstein nachdachte, kam mir Dusty Springfields alter Hit "The Look Of Love" von 1967 (noch schöner in Diana Kralls brasilianisch angehauchten Version von 2009) in den Sinn. Der Moment jedenfalls, in dem im Grunde alles passiert - den habe ich inr dem Augenblick verspürt, als ich das erste Mal meine Nase übers Glas gehalten. Zwar ist schon das tiefe dunkle Gold des Rieslings im Glas ziemlich verführerisch - doch den eigentlichen Kick gibt's erst, wenn der Riechkolben mal so Witterung aufnimmt.

Ein bisschen Demut ist hier sicher am Platze, denn hier geht es schließlich um ein Großes Gewächs, nicht um einen banalen Allerweltswein aus dem Discounterregal. Außerdem ist der Bockstein für viele andere Genießer und auch mich heiliges Land, den viele Top-Erzeuger wie zum Beispiel die Güter Van Volxem und Forstmeister Geltz-Zilliken brauen mit den Trauben hier einen Zaubertrank nach dem anderen. Der Name "Bockstein" ist pure Magie. Die Weine von hier sind es nicht minder.


Das GG von Weis fesselt mich aber noch aus einem anderen Grund: Die Farbe, der Duft, einfach alles zeigt mir - hier findet ein Riesling zu seiner Reife und entwickelt die Stärken, die für mich seine Faszinationskraft ausmachen. Erstens fördert die feine Aufbereitung des für das GG selektionierten Leseguts die Erkenntnis, dass auch ein Weißwein wie der Riesling eine Qualität entwickeln kann, die sonst vor allem roten Pinots zugesprochen wird: Wärme zum Beispiel. Denn das cremige Mundgefühl, die weiche Art und Weise, mit dieser Stoff, der lange noch nicht den Zenit seiner Reife erreicht hat, seine vanilligen Töne und die weiche Pfirsich-Frucht an den Gaumen und andere geschmackssensible Zonen spült.


Preis ab Weingut: 36 Euro.

Im Internet: www.nikweis.com


22 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen