• Christoph Hahn

Neue Chancen für den Elbling

Aktualisiert: März 27


Als ich mit dem Schreiben über Wein von der Mosel anfing, galt das Leeren einer Flasche Elbling noch als Mutprobe - Näheres verrate ich gerne auf Nachfrage. Dass das seit Jahren kontinuierlich anders zu werden beginnt, liegt mit an jungen Winzern wie den Brüdern Philipp, Johannes und Matthias (von links) Apel aus Nittel an der Mosel unweit der Saarmündung bei Konz. Gegenüber der luxemburgischen "Tankstellenküste" vollenden die Apels und andere Kollegen wie Max Frieden, auch er aus Nittel, dem traditionsreichen Elbling (zu den Hintergründen siehe https://www.deutscheweine.de/wissen/rebsorten/weisse-rebsorten/elbling/) neues, frisches Leben und führen damit eine Entwicklung weiter, die bereits vor 20 Jahren von der Generation der Väter eingeleitet wurde. Ertragsreduktion und bessere Kellertechnik spielen hier zusammen. Von Bedeutung ist auch der Klimawandel, der in der Konsequenz zu niedrigeren Säurewerten und höheren Reifegraden geführt hat.

Das Frappierende an der Sache: Obwohl der Elbling der Gebrüder eindeutig zum neuen Typus mit einer fruchtig-frischen Aromatik gehört, hört er auf den in diesem Zusammenhang leicht irritierenden Namen "Tradition". Altbacken ist an diesem Wein eigentlich nichts - außer dass er eine Ahnung davon vermittelt, was der Elbling schon viel früher hätte sein können, hätten die Verantwortlichen nur den Mut bewiesen, bei der Tradition mal durch zu lüften.


Jetzt jedenfalls weht an der Südlichen Weinmosel (mancher nennt sie "Obermosel") ein neuer Wind. Von der blassen Rosennote früherer Elblinge ist hier nicht mehr so furchtbar viel zu spüren. Vielmehr kennzeichnet die "Tradition", hier in ihrer 2019er Ausgabe verkostet, der zupackende Geschmack saftiger Zitrusfrüche mit einem dezenten floralen Nachklapp. Trinkfluss? Kann hier eigentlich gar keine Frage sein.


Für gerade mal 5,80 Euro bietet der Elbling aus dem Hause Apel ein sehr erfreuliches Geschmacksbild. Dieser Stoff hat ordentlich Biss und flutet die geschmacksrelevanten Zonen im Mundraum außerordentlich rasch. Als Terrassenwein und Aperitif halte ich diesen Elbling ebenso für geeignet wie ich ihn wegen seiner frisch-fruchtigen Art zu scharfen Gerichten der chinesischen, indischen und Thaiküche empfehlen würde.


Mit 9,50 Euro ist auch der Brut-Sekt vom Elbling preislich nicht allzu hoch angesetzt. Gegenüber dem Stillwein zeichnet er sich nicht nur durch seinen immanenten Prickelfaktor, sondern auch durch seinen für Champagner typischen staubtrockenen Abgang mit Brot-Aromen aus der Werkstatt des Bäckers wie geröstetes Weißbrot und Hefe aus. Ausreichende Belüftung schließt auch hier wieder den ganzen Reichtum der Elbling-Geschmacksnoten auf.


Die inneren Werte beim Wein: 11,5 Volumenprozent Alkohol bei 8,8 Gramm/Liter Restzucker und 6,8 Gramm Säure.

Der Winzer im Internet: www.apel-weingut.d


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