• Christoph Hahn

Mosel mehr oder minder klassisch


Gelegentlich frage ich mich (häufiger als dass mich andere fragen), warum ich mir so sicher bin, dass dieser Wein Format hat und jener nicht. Dass ich mir da meist relativ sicher bin, liegt in erster Linie daran, dass sich durch die Trinkerfahrung(en) der vergangenen 25 Jahre Bezugspunkte, Referenzweine sozusagen, die meinung geprägt haben. Viele dieser Rieslinge (um die geht es hier und heute) kommen von der Mosel, nicht wenige davon aus dem Keller von Karl Josef und Christopher Loewen (Foto: David Zumpilé) in Leiwen. Als Beispiele für die Kunst dieses Vater-und-Sohn-Duos möchte ich heute den 2019er Riesling Kabinett vom Longuicher Herrenberg vorstellen - einer Lage, die 2007 mit der Übernahme des Weinguts Carl Schmitt-Wagner zu den Loewens gekommen ist.


Eines gleich vorneweg: Einen so eleganten Stoff habe ich noch selten zu trinken bekommen. Denn dieser Riesling läuft nicht einfach so die Kehle runter: Auf dem Weg vom Mund in die geschmacklich eher irrelevanten Körperzonen liefert sich der Kabi den ganz großen Auftritt - obwohl sich dieser Wein aus den Trauben an den mehr als 100 Jahre alten Rebstöcken auf dem Herrenberg ganz und gar nicht dick macht. Wäre bei einem Kabi auch schlechter Stil.

Die typische Cassis-Aromatik alter Reben erscheint hier wie vergoldet - vergoldet durch de feine Süße, die hier den Geschmack der Schwarzen Johannisbeeren überzierht wie eine Glasur und auch die silbrige Zitrusfrucht erscheinen lässt als sei sie schon kandiert worden. Aber das alles wäre wie eitel Tand, käme da nicht noch eine ewige Länge hinterher.


Ganz anders geht Jan Matthias Klein vom Staffelter Hof in Kröv mit der Tradition um - und sei es dadurch, dass er seinen Riesling von alten Reben "862" (15 Euro) nennt - nach dem Jahr, in dem der Hof am Rand des Ortskerns von Kröv erstmals urkundlich erwähnt wurde. Kleins Riesling erscheint weniger veredelt als der Hochglanz-Kabi der Loewens. Seine Kraft bezieht dieser straff gewirkte Wein ganz aus seine Würzigkeit und des in kein Gewand aus Süße gehüllten Johannisbeer-Aromas - ein Zug, der diesem Tropfen eines Strenges und Zwingendes gibt. Und doch ist da eine große Saftigkeit. Denn Jan Matthias Klein kann halt nicht nur Naturwein, sondern versteht sich auch auf die Aneignung und Durchdringung der Tradition.


Die Winzer im Internet:

www.staffelter-hof.de

und

www.weingut-loewen.de


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