• Christoph Hahn

Magie in der Flasche


Viele Weine habe ich im Laufe der Zeit verkostet, darunter überwiegend Rieslinge voller Saft, Kraft und Ausstrahlung. Dankbar erinnere ich mich dabei nicht zuletzt an Kabinette und Spätlesen aus Ürziger Würzgarten, Wehlener Sonnenuhr, Piesporter Goldtröpfchen und Thörnicher Ritsch. Doch keine von diesen superben Lagen reicht auch nur annähernd an das, was hoch über der Saar im Ockfener Bockstein heranwächst. Aber egal ob die Winzer nun Weis, Zilliken oder Heimes (Weingut Würtzberg) heißen: Was aus der Flasche ins Glas fließt, wirkt immer wieder wie verflüssigte Magie - Zaubertrank halt, wie ihn auch der gallische Chefdruide Miraculix im Asterix-Comic nicht besser hinbekommt.


Asterix und Miraculix leben in den Herzen aller Leser. Roman Niewonidczanski (links), Besitzer des Weinguts van Volxem in Wiltingen an der Saar, und sein Kellermeister Dominik Völk sind hingegen sehr reale Menschen aus Fleisch und Blut. Die Kunst, aus Trauben einen Zaubertrank zu brauen, beherrschen sie nichtsdestotrotz wie so mancher Magier nicht. Ich kann das bezeugen, denn ich habe van Volxems 18er Riesling Spätlese aus dem Bockstein verkostet. Eine gewisse Mittäterschaft kommt dabei meinem Freund und Kollegen Ar nsgar zu: Er hatte davon geschwärmt, wie trinkreif jetzt die 2018er von Mosel, Saar und Ruwer sein. Also musste ich auch schon deswegen die Probe aufs Exempel machen.


Ich hätte also auf alle möglichen Geschmackserfahrungen gefasst sein müssen. Aber es hat mich trotzdem umgehauen. Nicht so sehr beim ersten Luftzug durch die Nase als beim ersten Schluck: Unaufhaltsam läuft dieser Stoff überall dahin, wo Sinneszellen sitzen und füllt im Nu den gesamten Mundraum mit weicher, unendlich saftiger Frucht. Pfirsich, Cassis und Limette sind dabei, auch Ananas, Tee und Mandarine, mehr Frucht als manche Grünzeug-Abteilung im Supermarkt führt. Nichts drängt sich auf, nichts wirkt belegend - und doch zeichnet diese Spätlese eine Fulminanz aus wie es sie selten für Geld zu kaufen gibt. Dieser Wein liefert sich den großen Auftritt - und bietet Gaumensex vom Allerfeinsten.


Ich habe im Webshop von van Volxem nachgesehen: Die 2018er Riesling Spätlese aus dem Ockfener Bockstein gibt es offenbar nur noch in der Magnumflasche (1,5 Liter) zu 43,80 Euro. Alternative: die 2019er Spätlese in der 0,75-Liter-Flasche für 19,90 Euro.

Das Weingut im Internet: www.vanvolxem.com


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