• Christoph Hahn

Lebendig und saftig wie am ersten Tag

Was war das für ein Jahr! 2003 saßen mein Freund Ansgar und ich in der Gluthitze des Sommers hoch über der Mosel in der Lage "Brauneberger Juffer". Den Sprudel ließen wir beidhändig in uns hineinlaufen - so heiß war es und so drängend der Durst. Aus diesem inzwischen schon legendären Sommer stammt ein Wein, den ich im Folgenden vorstellen möchte.


Im Allgemeinen hat das Jahr den Freunden des Mosel-Rieslings ziemlich untypistche Aromen beschert: Litschi, Mango und noch mehr - damals schmeckte der Stoff nach fast allem, was tropisch und saftig war. Um so neugieriger war ich, als ich jetzt eine Auslese des Jahrgangs von Johannes Selbach aus Zeltingen-Rachtig im Regal fand.

In unserer Zeit, in der sich viele Winzer des Topsegments wie Popstars feiern und vermarkten lassen, gehört Selbach zu den Solitären. Von den etablierten Weinführern wird er konstant mit vier bis fünf Sternen oder Trauben geratet. Trotzdem bleibt der Winzer (mit Tochter Hannah und Sohn Sebastian ist inzwischen die jüngere Generation im Betrieb aktiv) bodenständig und widersetzt sich selbstbewusst jedem Gruppenzwang: "Wir sind nirgendwo Mitglied", sagt er mit Blick auf VDP und Bernkasteler Ring.

Seine 2003er Auslese hat etwas von einem Dorian Gray: Sie hat ane Jahren zugelegt, doch im Inneren ist sie saftig und vital geblieben. Besonders der Komplex der zitrischen Aromen hat seinen Biss nicht verloren und wirkt,e als sei er erst vor Tagen auf die Flasche gekommen. Die Süße wirkt sehr subtil und keineswegs aufdringlich, bleibt eher Kopfthema denn Leitmotiv. Dieser Wein ist kein Denkmal oder Museumsstück, das pseudosakral verehrt werden will - dazu scahmeckt es viel zu trinkig. Um nicht zu sagen: saufig.


Preis ab Weingut: 36 Euro.

Im Internet: www.selbach-oster.de


6 Ansichten
 

(0163) 2069247

  • Facebook
  • LinkedIn

©2020 Betreutes Trinken. Erstellt mit Wix.com