• Christoph Hahn

Eleganter Stoff vom Biowinzer


Gelegentlich kommen mir Fragen in den Sinn, die ich mir längst mal hätte stellen sollen. Zum Beispiel, warum mir dieser Schaumwein gut schmeckt und jener weniger. Dann lande ich regelmäßig bei Rieslingsekt von der Mosel, denn das ist gewissermaßen meine Hood, von mdie Gegend, in der ich mich wie zuhause fühle. Was jetzt nicht gegen Rheinhessen, Baden und andere Anbaugebiete geht. Große Sektmacher wie Volker Raumland, Mark Barth und andere mehr gibt es auch anderswo und das reichlich – so viel ist klar. Aber gerade an

Mosel, Saar und Ruwer finde ich ein Geschmacksprofil, einen Mix aus Saftigkeit, Zitrus- und Apfelaroma nebst belebender Säure – das ist es, was mich glücklich macht – und wenn ein Sektmacher erst gar nicht so tut, als wolle er in Wirklichkeit einen Champagner mit Kreide-, Toast- und anderen Aromen komponieren woll – es sei denn, er fängt das so genial an wie Gernot Hain aus Piesport mit seiner „Grande Cuvée“.


Aber hier ist Winzersekt vom Riesling das Thema, und der kommt in diesem Fall von Ökowinzer (nach Demeter und Ecovin zertifiziert) Thorsten Melsheimer aus Reil bei Traben-Trarbach. Der hat nicht nur mit seiner „Rurale“ ein wahres Referenzwerk unter den deutschen PetNats geschaffen, kräftig, würzig und etwas rauh wie so mancher Naturwein auch – er beherrscht auch die elegantere Variante, wie sein 2016er Riesling brut vom Reiler Mullay-Hofberg beweist.


Dem Bekenntnis auf seiner Website nach nimmt Thorsten Melsheimer die Sektproduktion nicht nur als Nebenprodukt wahr und investiert rund ein Drittel des Leseguts eines Jahres in die Herstellung von Schaumwein - jeweils zur Hälfte als Sekt oder PetNat. Ein weiteres Merkmal von Qualität: Wie etwa die Gebrüder Braunewell in Rheinhessen und Florian Lauer an der Saar lässt auch der Kollege von der Mosel die Prickelbrause im Wartestand sich schön lange auf der Hefe herumlümmeln – anderthalb Jahre mindestens, gerne aber auch länger.


Das erklärt zum einen, warum guter Sekt seinen Preis hat – dieser hier zum Beispiel tritt für 16 Euro ab Weingut die Reise zum Endverbraucher an. Dafür kracht dieses Zeug förmlich vor Saft und macht mit Geschmacksnoten von rotem Apfel und Zitronenzesten die müden Sinne wieder munter. Das Mousseux bleibt derweil vergleichsweise zurückhaltend.


Dafür gibt es hier einen gaaaanz Abgang wie bei einem Stillwein mit Klasse. Können kann so ein Sekt ziemlich viel. Solistisch über Stunden wegschlabbern kann mensch diesen Stoff natürlich auch. Bei festen Speisen ist die Bandbreite ziemlich groß und reicht von der rohen Sylter Auster bis hin zum Bauernbrot mit Schwatzwälder Schinken.


Der Winzer im Internet: www.melsheimer-riesling.de

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