• Christoph Hahn

Keiner für den schnellen Schluck


Vorhang auf, großes Berg- und Felsentheater. Gleich dem Ayers Rock in Australien oder dem Kaiserstuhl in Baden ragt die Thörnicher Ritsch wie ein Block hoch auf über dem Tal der Mosel. Wächst in Seitentäler hinein. In den 50er-, 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts noch waren die Rieslinge von hier so gefragt wie die Premier Crus im tiefen Burgund. Das wollen jetzt einige Winzer ändern, Leute wie Thomas Ludwig aus Thörnich sowie Karl Josef Loewen und sein Sohn Christopher aus Leiwen. Ludwigs Weine habe ich auch im Fokus und im Keller. Aber jetzt bespreche ich erst mal die 19er Auslese der Loewens aus der Ritsch.


Mit der Auslese kann der Konsument in spe vor allem ein Problem haben: Ab Weingut gibt es den Stoff schon nicht mehr. Bei einigen (Online-)Weinhändlern ist dieser Tropfen zu einem Preis von um die 20 Euro noch im Sortiment. Damit wäre das erste Thema, das Geld, schon mal vom Tisch. Es folgt das zweite, wichtigere: Was genau kommt da eigentlich an Geschmack ins Glas? Auch darauf gibt es eine Antwort - natürlich.


Zuerst einmal etwas Grundsätzliches: Für den schnellen Schluck sind diese Loewen-Weine nicht gemacht. Dazu passt es, dass die Winzer weder ein Twitter-Gewitter veranstalten noch sonstwie die Marketing-Trommel rühren. Und wer etwas von ihnen vor sich stehen hat, atmet am besten noch mal tief durch und lässt das auch den Riesling in der geöffneten Flaschen tun. Denn wie der Mensch auch lebt der Wein von der Luft - nicht nur wenn er Pinot heißt und eine rote Farbe zeigt.


Denn zuerst zeigt diese Auslese des Leiwener Spitzenbetriebes den typischen Ton eines solchen Rieslings von der Mosel: einen feinen Limettenton vor allem, wie mit dem Weichzeichner nachbearbeitet. Steht der Wein indes ein paar Minuten im offenen Glas, dann erwachen noch ganz andere Aromen. Die Säure gewinnt an Profil und andere Geschmacksnoten wie zum Beispiel Steinobst kommen hinzu, ebenfalls eine salzige Mineralität nebst etwas Rauch.


Getestet habe ich diesen sehr saftigen und kaum vordergründig süßen Stoff zum Tiramisu am Ostersonntag. Apropos Süße: Mit der fettigen von Foie Gras müsste dieser Bote der Ritsch aber ebenfalls gut zurecht kommen.


Preis ab Weingut: (vergriffen) Der Winzer im Internet: www.weingut-loewen.de

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