• Christoph Hahn

Ein Riesling für die Zukunft

Ich habe ja jetzt etwas über die 2017er trockene Cuvée des "Riesling-Kartells" aus Pünderich geschrieben. Dann ist es ganz stimmig, noch einen Wein aus der Grand-Cru-Lage gegenüber dem liebenswerten Ort, der Marienburg, von Gerrit Walter aus dem Nachbardorf Briedel dazu zu nehmen - und dann später noch einen Wein des wohl bekannten Winzers der Gegend, von Clemens Busch, der auch hier nicht ohne seine Frau Rita und seinen Sohn Johannes genannt werden soll.


Aber jetzt erst mal zu Gerrit Walter: Die Rieslinge des jungen Mannes Anfang 30 empfehle ich von Zeit zu Zeit immer wieder mal gerne, denn sie sind zwar ganz und gar nicht billig, aber im direkten Sinne preiswert. Denn wie die Milchbauern und andere Landwirte haben auch die Winzern, die an den steilen Hängen zu beiden Seiten der Mosel ihren Rücken krumm machen, Anspruch auf einen leistungsgerechten Preis. Denn im Gegensatz zu den Inhabern von Gütern mit mehr Fläche leisten Leute wie Walter ihre Arbeit unter relativ sportlichen Bedingungen noch selbst und können sie (von der Lese mal abgesehen) nicht an einen zahlenmäßig starken Mitarbeiterstab delegieren.

Dafür gibt es dann aber auch um Verkauf ab Weingut oder per Paket einen Riesling, Spätburgunder oder anderen Stoff, der eigentlich alle Merkmale des Autorenkunstwerks erfüllt. Es gibt so etwas wie eine Handschrift (unter Wahrung des Mitspracherechts der Natur) und alles andere, was Schriftsteller, Bildhauer und Artverwandte in ihre Kunst einbringen. Sogar Patina kann und soll ein guter Wein auf seinem Weg zur Reife aufbauen. Aber so weit ist Gerrit Walters trockener 2018er noch lange nicht - er muss als Vertreter seiner Rebsorte noch immer als Jungspund (so heißt übrigens auch ein leckerer Riesling von Florian Blesius aus Graach) gelten.


Für 16 Euro pro 0,75-Liter-Flasche bietet der aber schon jetzt eine relativ dezente Show im Gaumentheater, wobei mit eines der schönsten Features ist: Nirgends wird Gerrit Walter seiner laut oder trägt sonstwie dick auf. Schlanke 3,9 Gramm/Liter Restzucker und 6,5 Säure - da können selbst meine fränkischen Freunde Rudi May und Martin Göbel nicht meckern. Mit 13,5 Volumenprozent Alkohol macht sich das Zeug von der Marienburg aber auch nicht gerade klein. Vom Aroma her und dem ersten Eindruck durch die Nase her gibt sich der Marienburger eher spröde - der dürfte erst in drei bis fünf Jahren so richtig auf Touren dkommen und freut mich gerade deshalb, weil er mir Einiges noch vorenthält, aber nich zugleich auf noch mehr hoffen lässt. An die Weine aus Franken musste ich übrigens deshalb denken, weil hier im Gegensatz zu den meisten Rieslingen von der Mosel die Frucht eher im Hintergrund steht.


Ich finde es gar nicht mal schlecht, wenn Gerrit Walter solche Tropfen so macht wie er sie macht, denn mit seinem für mich relativ kantigen, mineralisch würzigen Profil ist hier schon ein Charakterkopf auf die Flasche gekommen. Ein Kauf ist auf jeden Fall jetzt schon sinnvoll, denn gute weine sind nun mal nicht endlos verfügbar. Und, wie gesagt: Der 2018er trockene Riesling von der Pündericher Marienburg hat seine besten Jahre noch lange nicht gehabt.

Das mit dem Stoff von Clemens Busch lasse ich im Übrigen nach einem gang in den Keller erst mal sein. In der Flasche steckt nämlich ein 2019er GG. Und das lasse ich jetzt erst mal wieder ein paar Jahre in Ruhe (reifen).


Der Winzer im Internet: www.weingut-walter.de



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