• Christoph Hahn

Ein kleines Manifest für den Genuss

Es waren außerordentlich üble Zeiten – und größtenteils sind sie es immer noch. Wir, die wir noch immer mehr oder minder unbeschadet am Leben sind, haben allen Anlass, dankbar zu sein und dieses Leben zu feiern. Zu diesem Feiern gehört dann das Gedenken ebenso wie der Genuss. Die Frage ist nur: Genießt der Mensch im ausgehenden Corona-Zeitalter anders und warum ist das so?

Ich muss dabei zunächst an ein Kirchenlied aus Kindertagen mit ziemlich einfältigem Text und dazu passender Melodie denken: „Unser Leben sei ein Fest“, heißt es darin. Aber so naiv Text und Musik auch gestrickt sein mögen, so sehr liegt eine tiefe Wahrheit darin

versteckt – als wäre es ein Osterei im frisch ergrünten Garten. Denn gerade in diesen trüben Zeiten brauchen wir Farbtupfer, Erlebnisse, an denen wir uns wieder aufrichten können. Da sie aus mehr als einer Komponente bestehen, also nicht nur aus Farbe und nicht nur aus Geruch bestehen, wirken Speisen, Wein und was mit ihnen zusammenhängt sehr umfassend auf uns ein. Will sagen: Auf einem Teller und in einem Glas begnet und eine ganze Welt.

Noch etwas kommt hinzu: Gerade weil viele Menschen und ich mit ihnen im Moment die Welt oft als monochromes Grau in Grau erleben. Das kann ein Suppe mit Pasta und Trüffeln, ein Mosaik aus Aromen und Texturen, sein. Gerade weil sie warm ist, spricht sie dadurch auch tiefere Schichten unseres Daseins wie die Seele an. In diesem Sinn kann Genuss heilen, uns wieder ganz und heil machen, wenn Pandemie und Angst uns ankratzen.

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