• Christoph Hahn

Ein kleiner Hauch von Luxus

Wie waren sie denn, die kleinen Freudenspender? Und mit wem habe ich rund um Neujahr meine Zeit verbracht? Die Antwort will ich nicht lange schuldig bleiben.


Das "Goldstückchen" (22 Euro) von Moselwinzer Franz-Josef Eifel (www.fjeifel.de) aus Trittenheim ist jedenfalls ein Riesling der rundum vergnüglichen Art. Genauer: eine Spätlese, mit der der Mensch Spaß haben kann. Gut - der Wein ist nicht billig. Aber dafür ist er sauber erzeugt (nach Ecovin) und kann auch richtig was, so an allen Arten von schärfebetonter Küche. Das geht, weil dieser Stoff nicht vordergründig süß schmeckt. Statt dessen wirkt der Wein durch Saftigkeit, Frucht und ein zweckdienlich gesundes Maß an Säure. Seine Qualität zeigt dieser Moselaner aus der Trittenheimer Apotheke schon dadurch, dass er ratzfatz alle

geschmackssensiblen Zonen im Mundraum durchtränkt. Trinkfluss - darüber muss hier niemand reden oder nachdenken. Das Zeug läuft und läuft und läuft wie mancher VW nicht und bringt neben tropischen Aromen auch Steinobst und feine Schieferwürze mit. In Zahlen: 9,2 Gramm/Liter Säure, 76 Restzucker.


Eine ähnliche Trinkigkeit haftte mein Freund und Kollege Ansgar dem "Sax" (10,90 Euro) von Max Kilburg (www.geierslay.de) aus Wintrich am der Mittelmosel bescheinigt. Dieser trockene Spätburgunder erfüllt diese Erwartung schon deshalb voll und ganz, weil ihm die Natur und sein Winzer nicht nur ein stabiles Rückgrat aus Röstaromen, sondern auch ein ansprechendes Quäntchen Säure und saftige dunkle frucht (vor allem Kirsche) mitgegeben haben.


Zu jedem Fest gehören nach meiner Auffassung auch hochwertige Winzersekte, die jeden Feiertag zum Ereignis aufpolieren. Dazu gab es im Hause Hahn zwei Schaumweine, die nicht unterschiedlich sein können, obwohl sie (oder gerade weil?) sie vom selben Erzeuger stammen: Nik Weis (www.nikweis.com) hält sich nicht nur moselweit seit Jahren in der Top-Kategorie und verkauft (Corona permitting) weltweit, was aus seinem Keller kommt. Sein 2018er Riesling brut (25 Euro) aus dem Piesporter Goldtröpfchen erweist sich auf den ersten Schluck mit gezügelt kräftiger Perlage und feinen Aromen wie von erntereifen Äpfeln am Baum und frisch geriebener Zitronenzeste als klassischer Vertreter seiner Art, zumal die

lagen- und jahrgangsreine Machart dieser feinen Prickelbrause anzeigt, dass Winzer Weis und Kellermeister Kai Hausen mit ihrem Produkt in die ambitionierte Richtung zielen.

Die vorbildgetreu aus Chardonnay und weiß gekeltertem Spätburgunder zusammengestellte "Cuvée Clara" (19 Euro) könnte fast ein Champagner sein, wäre da nicht noch ein ganz kleiner Spritzer Riesling mit von der Partie. Den habe ich aber gar nicht so ohne weiteres herausgeschmeckt. Aber Hinweise des Herstellers sind ja eine ernst zu nehmende Informationsquelle.


Auf ganz andere Weise zieren edelsüße Rieslinge jedes Fest. Darum habe ich mir zwei grundverschiedene Auslesen aus dem Keller geholt, zum Beispiel die 19er aus dem Brauneberger Klostergarten bzw. von den beiden Winzer-Brüdern Domi und Bene Thomas (www.weingut-klosterhof.de). Für gerade mal 10 Euro bieten die beiden Thomas-Junioren zusammen mit ihren Eltern Ruth und Josef Thomas einen Riesling, der sich gar nicht mal so

sehr durch seine Süße, sondern vielmehr über seine frische Frucht und eine Prise salzige Schieferwürze mitteilt - und vor Saft fast schon kracht. Vor dem Hintergrund des sicher beträchtlichen Reifepotenzials alles andere als ein vollendeter Wein,kann diese Auslese mit ihrer enormen Länge gerade wegen ihrer Säure heute schon etwas leisten. Ausprobiert habe ich diesen Stoff jedenfalls zu Christstollen und Kaiserschmarren.

Im Vergleich ist die 1995er Auslese (31 Euro) aus dem Erdener Prälat vom Ürziger VDP-Weingut Christoffel-Berres, das 1997 die letzte Lese eingefahren hat, der deutlich ambitioniertere Stoff. Konzentriert wie es fast schon nicht mehr weiter geht, nimmt mich der i

n der Nachfolge des letzten Inhabers Otto Christoffel durch das Weihgut Karl Erbes (info@weingut-karlerbes.de) vertriebene Riesling aus der kleinen, exklusiven Mosellage (siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Erdener_Pr%C3%A4lat) schon das tief Dunkle seines Goldtons gefangen. Ein gezieltes Belüften im Glas oder im Decanter erscheint hier angezeigt, denn dann packt dieser sagenhafte Stoff so richtig etwas aus und kommt mit einer vom zahn der Zeit fast nicht angenagten Säure, herbem Honigaroma und ungebrochen saftigen Zitrusnoten.


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