• Christoph Hahn

Die neue Saar sprüht vor Selbstbewußtsein

Von Christoph Hahn

Günther Jauch ist nicht der Einzige: Der neue Glanz der Mosel findet sich auch ein paar hundert Meter von seinem Anwesen in Kanzem, dem Weingut von Othegraven, entfernt. Da nämlich erhebt sich das barocke Hauptgebäude von Gut Cantzheim (www.weingut-cantzheim.de). In diesem Haus, das den Besucher mit der großen Geste der einstigen Bewohner, der Prämonstratenser-Mönche des Klosters Wadgassen im heutigen Saarland, empfängt, ist heute Sitz eines auf seine Weise großen Projektes – des Gutes Cantzheim, mit dem das Ehepaar Anna und Stefan Reimann ein ehedem vernachlässigtes Juwel und die Weinberge um es herum der Vergessenheit umreißt, um es mitten in die Weinkultur der Gegenwart zu stellen.

Weinjournalisten auf Pressereise – im Hof des Serriger Weinguts Würtzberg. Foto: Christoph Hahn


Die Wein-Saar, die ganz und gar zu Rheinland-Pfalz gehört, ist also klassisch. Und sie ist modern. Das zeigen die Weine der Reimanns (sie war früher im Verkauf für die Bischöflichen Weingüter und den hoch berühmten Markus Molitor tätig) auf ihre eigene, elegante Weise: Der Sekt des Hauses bewegt sich irgendwo auf der Grenze zwischen trocken und knochentrocken, mit seiner stahligen und muskulösen Struktur erstens ein echter Jung von der Saar und zweitens genauso von barocker Art wie das Gebäude, in dem er zu Hause ist.

Architektonisches Prachtstück: das Weingut Cantzheim in Kanzem mit dem 1740 errichteten Haupthaus, links und rechts flankiert von den modernen Ergänzungen des Architekten Max Dudler. Foto: Ansgar Schmitz


Der 16er fruchtsüße Riesling des Hauses, mit Künstlernamen „Die Gärtnerin“, zeigt eine ganz andere Persönlichkeit. Er ist süß, aber nicht vordergründig, zeigt eine filigrane Mineralik und feine Würze – mehr Kammermusik als große Sinfonie, aber nichtsdestotrotz von adeliger Gestalt. Der Riesling ist halt ein Geselle mit Noblesse, ein Virtuose mit reichlich Gaumensex auf der Flasche, aber ohne geschmackliche Plattitüden.

Hier werden Weine effektvoll zur Schau gestellt: die Würtzberg-Vinothek. Foto


In noch viel stärkerem Maße inszeniert Roman Niewonidczanski, der Inhaber des Weinguts Van Volxem (www.vanvolxem.com), einer der Top-Adressen der Region, sich und sein Tun durch die Architektur. Bei Biebenhausen nicht allzu weit von seinem bisherigen Sitz im Schatten der Kirche von Wiltingen lässt der Sprössling einer Seitenlinie der Bitburger-Dynastie derzeit ein hoch modernes Gebäude errichten, Der Entwurf des Südtiroler Architektenbüros Trojer Vonmetz spricht eine sehr klare Sprache – mit fest gefügten geometrischen Körpern und Ausblicken, die die umgebende Landschaft effektvoll in Szene setzen.

Die neue, selbstbewusste Saar: Sie ist an allen Ecken und Enden mit Händen zu greifen. Starwinzer Markus Molitor (www.markus-molitor.com) hat zum Beispiel die alte Staatsdomäne in Serrig übernommen und als erstes Mal das Gelände roden lassen. Nächstes Ziel die Neuanpflanzung einer Junganlage. Oder das ehemalige Weingut Dr. Siemens: Es hört jetzt auf den Namen Würtzberg (www.weingut-würtzberg.de) und gehört jetzt Dorothée Heimes und ihrem Mann Ludger Neuwinger-Heimes. Andere Akteure sind geblieben: Florian Lauer, der im Herzen von Ayl seit Jahr und Tag Rieslinge von der Kupp, teilweise haarfein nach deren Lagen wie „Stirn“ und „Unterstenbersch“ ausbaut.

In einem Seitental der Saar, im dörflichen Konzer Stadtteil Oberemmel, arbeitet schließlich Michael Hutmacher (www.weingut-hutmacher.de). Gegenüber der Weltläufigkeit seiner Mitbewerber setzt er voll auf den Charme seines Familiengutes und punktet unter anderem mit einem erfrischenden Secco und einem nicht minder reizvollen fruchtsüßen Riesling von 1962 gepflanzten alten Reben. Sie alle geben der neuen, selbstbewussten Saar Gestalt – ganz unterschiedlich im Charakter, aber getragen vom om gleichen Stolz wie die Kollegen von der ungleich längeren Mosel.

 

(0163) 2069247

  • Facebook
  • LinkedIn

©2020 Betreutes Trinken. Erstellt mit Wix.com