• Christoph Hahn

Burgunder aus dem badischen Glutofen

Aktualisiert: Apr 15


Es gibt Weine, über die schreibe ich, weil mich eine Geschichte damit verbindet. Die Rieslinge aus dem Ürziger Würzgarten hoch über der Mosel zwischen Bernkastel-Kues und Traben-Trarbach sind so ein Fall. Die Burgunder aus dem Keller von Arndt Köbelin in Eichstetten am Kaiserstuhl nahe Badens Grenze zum Elsass bei Breisach ebenfalls. Wobei ich den Winzer nicht von dort kenne. Sondern aus Durbach unweit von Offenburg. Dort habe ich Köbelin 2003 getroffen, als ich für die Tageszeitung eine meiner ersten Wein-Reportagen überhaupt recherchiert habe. Jetzt war Zeit zum Wiedersehen - auf Distanz, schon wegen Corona.


Köbelins "normalen" Weißburgunder aus dem Jahrgang 2020 habe ich mir zum Auftakt vorgenommen. Wobei mich dieser Pinot schon sehr überrascht hat. De nn zum einen macht er mit seinen 13,0 Volumenprozent schon eine Ansage, so dass ich dem "Kabinett" im

Namen kaum Glauben zu schenken gewillt war. Doch dieser Stoff hat mehr als nur eine gehobene Durchschlagskraft: Er fließt auch vom Geschmack her ausgesprochen raumfüllend durch den Mundraum und punktet auf der Zunge nicht nur mit Kraft, sondern auch mit Saft (Birne) und einer ausgesprochen kräuterigen Würze (Minze, Melisse). Zehn Minuten im Glas an der frischen Luft zahlen sich in Gestalt einer opulenten Nase aus.


Ich würde den Wein zum Beispiel zur Hähnchenbrust, aber auch zum gebratenen Zander oder Kabeljau nehmen. Weißem Spargel müsste dieser Kabi ebenfalls gut bekommen. Den Namen "Kabinett" hat er sich jedenfalls trotz der hohen Tourenzahl beim Alkohol verdient, denn jegliche Wuchtigkeit macht er durch seine filigrane Aromatik und das cremig-saftige Munsgefühl mehr als wett.


Der 2019er Weiße Burgunder „Lösswand“ unterscheidet sich ganz wesentlich von der Kabinett-Ausgabe – und das nicht nur dadurch, dass er ein Selektionswein ist. Vor allem ist er ein Wein mit großem Auftritt, einer, der beim ersten Schluck cremig in den Mnd fließt, um bald darauf in seiner Aromatik förmlich zu explodieren. Vor allem wird eines klar: Auch wenn Arndt Köbelins Pinots mit ihrem stattlichen Alkoholgehalt von in diesem Falle

achtungsgebietenden 14,0 Volumenprozent schon eine gewisse Durchschlagskraft erreicht und die Tannine durchaus markant erscheint, überstrahlt dennoch nichts die nichts die erfrischende Säure und nichts die Frucht. Frische, saftige Ananas, Steinobst und linde florale Geschmacksnoten – dieser fulminanten Spätlese fehlt nichts, um eine gebratene (Peking-)Ente oder ein Hähnchen angemessen zu begleiten.


Nicht weniger überraschend fällt der erste Schluck aus der Flasche mit dem 2018er Pinot-Sekt, einer Mariage aus Weiß-, Grau- und Spätburgunder, aus. Eine ganz üppige Frucht macht sich schlagartig auf der Zunge und in anderen geschmacklich relevanten Zonen breit. Saftige Kirschen, rote Beeren und etwas Holunderblüte marschieren ein - großes Gaumentheater im Breitwandformat. Das Mousseux bleibt relativ zurückhaltend.


Preis ab Weingut: 9,50 Euro (Kabinett), 16 Euro (Lösswand), 13,50 Euro (Sekt).

Der Winzer im Internet: www.weingut-koebelin.de

Über zwei Spätburgunder von Köbelin erscheint ein gesonderter Artikel.


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