• Christoph Hahn

Badisches Kabinett-Stück

Gereifte Weine üben auf mich eine besondere Anziehung aus. Mit den Jahren fällt alles aromatisches Beiwerk ab; die Aromen klären sich immer mehr und der Stoff wird esentlich. Dabei rede ich von einer Erfahrung, die ich bisher ausschließlich mit Rieslingen gemaht habe - mein Bestand im Keller reicht derzeit zurück bis 1985. Bei Rotweinen habe ich da bedeutend weniger Erfahrung. Also habe ich mir einen Spätburgunder Kabinett von 2015 aus dem Weingut Schloses Ortenberg bei Offenburg aus dem Keller hochgeholt - und war angenehm überrascht.


Mehr als in anderen Kulturen gibt es den Spätburgunder in Mittelbaden nicht nur als mehr oder minder wuchtigen Speisenbegleiter, sondern auch als zugänglichen Zechwein. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass diese Art von eine zuckrige Plörre zur Spülung der zuständigen Körperorgane oder ein Gesöff mit breiten Konzessionen an den Massengeschmack von Discounter-Kunden wie bei den Günther-Jauch-Weinen ist.

Das ist hier ganz und gar nicht der Fall. Masse vor Klasse - nicht mit den Ortenbergern! Statt dessen gibt es hier jede Menge Korrespondenzen mit dem klassischen Riesling Kabinett von der Mosel. Natürlich nur insoweit vom Trink- und Mundgefühl die Rede ist:

Dieses Zeug hat einen relativ moderaten Holzton, dafür ein ganz gehöriges Maß an Kirsche und dunklen Beerentönen fernab jeder Süßlichkeit, die diesem Stoff einen ordentlichen Zug an der Schwelle zwischen "trinkig" und "saufig" mitgeben. Leicht und angenehm liegt dieser Spätburgunder Kabinett vom Granit im Mund und füllt ihn bald mit seinem Saft bis in den letzten Winkel aus. Ein ganzes Mal voll Wein halt.

Und wer es dann doch ein bisschen wuchtiger mag, für den gibt es in Ortenberg auch einen Pinot Noir vom Granit.


Preis ab Weingut (2018er): 9 Euro.

Im Internet: www.wso-wein.de


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(0163) 2069247

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