• Christoph Hahn

Riesling mit "Anrecht" auf steile Karriere

Aktualisiert: 7. Dez 2020


Eigentlich verraten Rieslinge in jungen Jahren noch nicht so schrecklich viel über das, was in ihnen steckt. Eigentlich hilft da nur geduldiges Zuwarten, und das über mehrere Jahre. Eigentlich. Denn dann gibt es noch Weine, die schon von Anfang an Statur und Größe zeigen. Die 2018er Auslese aus dem "Anrecht", einer der besten Parzellen von Moselwinzer Johannes Selbach, gibt jedenfalls schon in frühen Jahren Anlass zur Hoffnung auf mehr.


Beim "Anrecht" erfasst der Genießer auf den ersten Schluck aber noch etwas Anderes, nämlich, warum einem Wein zutiefst menschliche Züge wie Körperlichkeit zugesprocheren werden. Dabei bildet der Saft, mit dem dieses Gemeinschaftswerk von Seniorchef Johannes und Junior Sebastian Selbach ratzfatz die geschmackssensiblen Zonen durchtränkt, so etwas wie die Haut, die Frucht, Säure und was den Wein sonst noch ausmacht, zusammenhält.


Die Frucht, Zitrus, Apfel und viel feinherber (Tannen-)Honig, schmeckt gar nicht so sehr nach prallem, frischem Saft. Viel mehr hat sie etwas sehr Konzentriertes, etwas, das dem Mundraum, wenn bei einer kandierten Kirsche oder Orange die Substanz des Geschmacks die dichte Schicht des Zuckers durchbricht. Noblesse oblige, sagt sich die Auslese.


Als Wein aus gutem Hause zeigt "Anrecht", gekeltert aus Trauben von 1981 gepflanzten Reben, Haltung und Statur, und das schon in jungen Jahren in reichem Maße. Kein Zweifel dürfte indes daran möglich sein, dass die besten Jahres dieses Mosel-Rieslings noch laaaange nicht gekommen sind.

Johannes Selbach jedenfalls weiß ganz genau, was er an dieser Parzelle im Himmelreich hat: "Der Ausbau zur fruchtsüßen Auslese rührt auch aus der Natur der Sache,

denn bei den hier üblichen Reifegraden hätten wir bei einer trockenen

Version immer mindestens 13,5 und meistens sogar eine 14 vor dem Komma

stehen, was den Alkohogehalt angeht. Alkoholstarke Weine gibt es aber

bereits mehr als genug. Vielschichtige, betörend fruchtige Weine mit

bester Säurebalance und, dank moderatem Alkoholgehalt hohem Trinkgenuß (ohne Reue am nächsten Morgen) gibt es weniger, deshalb wird der Wein bei

uns immer klassisch fruchtsüß ausgebaut."

Mit dem Namen hat es im Übrigen eine besondere Bewandnis: "Auf Zeltinger Platt verwenden wir aber nicht den langen, hochdeutsche Namen “Im Annenrech“, sondern „Im Anrecht“ und daraus wurde, kurz und knapp „Anrecht“. Wir gehen also den „Anrecht“ pflügen oder binden oder lesen, genau wie den „Schmitt“ oder die „Rotlay“ oder die „Steinmauer“ oder den „Hael“, das sind allesamt Katasterlagen oder "lieu dit“, wie man etwas weiter westlich von uns sagt."


Restzucker: 102 Gramm/Liter, Säure: 7 Promille.

Preis ab Weingut: 24 Euro.

Im Internet: www.selbach-oster.de



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